Erzsébet Lieber
Geboren 1961 in Kaposvár
Anschrift: H-7400 Kaposvár, Rákóczi tér 4, Dachgeschoss 2
Telefon: +36/30 964 1589, E-Mail: lieber.erzsebet@gmail.com
Erzsébet Lieber bestand die Matura im Jahre 1980 in der Mathematiksektion des Táncsics-Mihály-Gymnasiums in Kaposvár und bewarb sich um ein Staatsstipendium, um ab 1981 in der damaligen Deutschen Demokratischen Republik Kunst zu studieren. Bis zum Beginn ihres Studiums arbeitete sie im Zeichentrickfilmstudio Nr. 3 des Pannónia-Filmstudios in Budapest. Ab 1981 studierte sie an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein Halle im Fachbereich Flächengestaltung der Sektion Produkt- und Umweltgestaltung. Während der Ausbildung entwarf sie gewebte und gedruckte Mode- und Heimtextilien, Innenausstattungen und als Teil eines Großprojektes die gesamte Textilkollektion der Kinderklinik Halle. Nachdem sie im Jahre 1989 in einem Diplomverfahren die erforderlichen Kenntnisse nachgewiesen hatte, wurde ihr das Prädikat „Sehr gut“ erteilt und der akademische Grad Diplom-Formgestalter (Designer) verliehen.
Nach ihrer Rückkehr in die Heimat im Jahre 1989 unterrichtete sie als Kunstlehrerin an dem damals neu gegründeten Gymnasium für angewandte Kunst in Kaposvár. Im Jahre 2008 verteidigte sie ihr Meisterwerk und ihre Dissertation im Rahmen des Ausbildungsprogramms für Malerei zum Thema „Papier – Material – Medium“ in der Meisterschule für Bildende Künste der Kunstfakultät der Universität Fünfkirchen (PTE) und erhielt damit den Doktortitel DLA (Doctor of Liberal Arts). Ihre Doktormutter war Prof. Ilona Keserü.
Seit 2002 unterrichtet sie Kunst an ungarischen Universitäten und ist derzeit Assoziierte Professorin am Rippl-Rónai-Institut für Kunst der Ungarischen Universität für Agrar- und Biowissenschaften (MATE). Von 2009 bis 2015 war sie Prodekanin und dann Dekanin der Kunstfakultät der Universität Kaposvár (KE), von 2010 bis 2016 war sie auch Abteilungsleiterin der Abteilung für Bildende Künste und dann Direktorin des Visuellen Instituts. Die kunsttheoretische Forschung liegt ihr nicht fern; ihre fachwissenschaftlichen Studien und Zeitungsartikel erscheinen regelmäßig in wissenschaftlichen und Kunstzeitschriften. Sie ist Mitglied der Redaktion der wissenschaftlichen und künstlerischen Zeitschrift „Artcadia“ des Rippl-Rónai-Kunstinstitutes der MATE.
Sie publiziert und kuratiert auch künstlerische Arbeiten. Sie ist ausstellende Künstlerin, Workshopleiterin, Teilnehmerin an Kreativcamps, Kunstworkshops und -symposien. Sie war Gründerin und 10 Jahre lang Leiterin der internationalen Papierkunstwerkstatt in Ungarn sowie Gründerin und Leiterin mehrerer Kunstvereine und Kunstschulen. Sie ist Mitglied unter anderem auch des Verbandes Ungarndeutscher Autoren und Künstler (VUdAK). Sie ist Gründungsmitglied der Sektion Computerkunst der Neumann-János-Gesellschaft für Computerwissenschaften (NJSZT). Seit 2017 ist sie Mitglied der Sektion für Angewandte Kunst und Design des Öffentlichen Gremiums der Ungarischen Akademie der Künste.
Ihre Arbeiten wurden außer in Ungarn auch in Indien, Japan, Thailand, Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Österreich, Frankreich, Italien, Griechenland, der Türkei, Montenegro, der Slowakei, Polen, Rumänien und anderen Ländern ausgestellt. Ihre Werke befinden sich in zahlreichen privaten und öffentlichen Sammlungen im In- und Ausland. Ihre Werke wurden in mehreren nationalen und internationalen Ausstellungen mit Preisen ausgezeichnet. 2019 erhielt sie den Munkácsy-Mihály-Preis.
Ihr Lebenswerk besteht aus Zeichnungen, Grafiken, analogen und digitalen Gemälden, Fotografien, Collagen, Papierartwerken, digitalen, multi- und intermedialen Arbeiten, Installationen sowie Werken der Natur- und Land-Art-Kunst. Ihre Arbeiten sind Versuche und visuelle Annäherungen zur Erforschung der Realität und der nicht primär sichtbaren Aspekte und Zusammenhänge unserer Existenz, mit denen sie versucht, sich den Beziehungen und Bedeutungsebenen der wahrnehmbaren und möglichen Form zu nähern. Indem sie ab 2009 die theoretischen Grundlagen der „objektiven Malerei“ erarbeitete und in die Praxis umsetzte, machte sie die Grenze zwischen Fotografie und Malerei durchlässiger und bereicherte so die Formensprache der zweidimensionalen Kunst. Ab 2016 trug sie als organische Fortsetzung ihrer bisherigen Epoche neben der Entwicklung und praktischen Umsetzung der theoretischen Grundlagen der sogenannten „Mehrfachbilder“ auch als Kunstorganisatorin zur Einführung der von ihr selbständig gemachten Kunstform bei, um die Spaltung zwischen künstlerischer Praxis und Kunsttheorie durchlässiger zu machen.