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Vernissage: 22. September, 18.00 Uhr
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Gedenkfeier zur Vertreibung im Ungarndeutschen Bildungszentrum im Zeichen der ungarndeutschen Literatur
Januar 2017
Bei der diesjährigen Gedenkveranstaltung im Ungarndeutschen Bildungszentrum Baje anlässlich der Vertreibung der Ungarndeutschen standen nicht die historischen Daten und Dokumente im Mittelpunkt, sondern die durch Erinnerungen und literarische Werke hervorgerufenen Emotionen. Die Schüler der Klasse 10b versuchten mit ihren Lehrern anhand geeigneter Werke der ungarndeutschen Literatur die Aufmerksamkeit auch auf die tragischen Folgen der Vertreibung zu lenken.

Robert Beckers Ungarndeutsche Ballade diente als Grundlage für die Gedenkstunde am 19. Januar. Bedeutende Ereignisse in der Geschichte der Ungarndeutschen wie die Werbung der Kolonisten, die schwere Zeit nach der Ansiedlung, die lustige Weinlese als Ergebnis der fleißigen Arbeit und die Vertreibung wurden auch szenisch dargestellt. Die Bilder von berühmten Gelehrten und Künstlern deutscher Abstammung erschienen als Beweis für den bedeutenden Anteil der Deutschen am Aufbau des Landes. Durch die Auszüge aus Josef Michaelis‘ Agonie und Claus Klotz‘ Das Zweiglein konnte der politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und moralische Tiefpunkt nach der kollektiven Verurteilung gezeigt werden. Dabei wurde in Videoausschnitten aus dem preisgekrönten Abgedreht-Film Schlaf, Kindchen, schlaf (2014) auf eines der größten Probleme, nämlich dem des Sprachverlustes hingewiesen.

Als Höhepunkt des Programmes erlebten die Schüler, als einige ihrer Lehrer über ihre persönliche Familiengeschichte berichteten, unter welchen Umständen ihre Eltern und Großeltern die traurigen Zeiten nach dem Zweiten Weltkrieg erlebt haben und welche Auswirkungen das auf ihre Familie hatte.

Obwohl in Beckers Ballade das Lied des Sängers verstummt, endete das Programm damit noch nicht, denn durch den Titel Steh auf, wenn du am Boden bist (Die Toten Hosen) – vorgetragen von der Internatsband – haben die Schüler die Willens- und Schaffenskraft der Ungarndeutschen zum Ausdruck gebracht, die auch in Koloman Brenners Inschrift in Ansätzen zur Geltung kam. Projiziert wurden Bilder aus der Gegenwart der Ungarndeutschen, die eine vielseitige Tätigkeit erahnen lassen. Nachdem aus der Rede des Ministerpräsidenten vom 19. 12. 2016 zitiert worden war, in der es um die Bedeutung und Verflechtung der ungarndeutschen Kultur mit der ungarischen geht, wurde das abwechslungsreiche Programm im Sinne von Valeria Kochs Klassiker Gedenkzeilen über die Vertreibung abgeschlossen:
„Nie wieder Verirren im Dschungel der Gewalt,
vergebet dem Nächsten, der Unheil gestiftet,
stoppt schon den kleinsten Hass und sagt rechtzeitig Halt,
lebt friedlich; bei Gott wird der Feind streng gerichtet.“

am



NZ 5/2017


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