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Béla Bayer: „Unbedeckt“
Oktober 2013
Mit dem Gedichtband „Unbedeckt“ legt Béla Bayer* bereits seinen zehnten eigenen Band in deutscher Sprache vor, wobei sein literarisches Schaffen inklusive Veröffentlichungen in deutschsprachigen Anthologien eine noch größere Zahl an ungarischsprachigen eigenständigen Veröffentlichungen umfasst, womit er selbst weltweit zu den ganz wenigen Autoren zu rechnen ist, die ihr literarisches Werk in zwei Sprachen entfalten.

Die in der Vergangenheit gesammelte und in den bisherigen Publikationen auch für den Leser nachvollziehbare dichterische Erfahrung ist an den Gedichten von „Unbedeckt“ nicht zu übersehen. Schon allein der zwanglose Umgang sowohl mit der traditionellen Form des Gedichtes als auch mit der in freier, modernerer Gestalt verfassten Variante von Dichtung macht dem Leser deutlich, dass es in diesem Band nicht um irgendwelche Formspielereien geht, der Verfasser nicht krampfhaft seine handwerklichen Fähigkeiten unter Beweis stellen will, sondern sich den Fragen widmet, die für ihn von großer Wichtigkeit und der Darstellung wert sind.

Die 58 Gedichte betragen, wie das bei guter Lyrik der Fall ist, von der Gesamttextmenge her soviel wie etwa eine Prosaerzählung, doch umfassen sie ein ungleich größeres Maß an gedanklicher und emotionaler Auseinandersetzung mit der Welt, ein tieferes Nachdenken über das eigene Schicksal und das hieraus auf eine allgemeine menschliche Ebene Transponierbare. Lyriker haben es sicherlich am schwersten, denn anders als Prosaautoren und Dramatiker können sie sich nicht oder zumindest nur kaum hinter irgendwelchen Figuren ihrer Werke verstecken: Ein Band Lyrik bedeutet zugleich immer auch die Preisgabe innerster Gedanken und Gefühle, und so ist dies auch im vorliegenden Fall, denn unübersehbar dominieren die Gedichte mit einem lyrischen Ich und einem lyrischen Wir, die dem Leser – trotz der möglichen Option von (einem) fiktionalen Sprecher(n) ausgehen zu können – die Verschmelzung der Perspektiven nahe legen.

Die Gedichte sind in einzelne Kapitel gegliedert, die geheimnisvolle bis programmatische Titel tragen: „Lento“, „Entgleisung“, „Unbedeckt“, „Heimat und Zuhause“, „Unvergänglich“, „Aufschub“ sowie „Erstlinge“.

Es ist unmöglich im Rahmen einer Rezension auf alle Facetten dieses Gedichtbandes einzugehen, deshalb sollen nur einige Aspekte mit dem Hinweis hervorgehoben werden, dass diese bei weitem nicht allein das dichterische Spektrum von „Unbedeckt“ repräsentieren.

Der gedankliche Faden beginnt mit den leise-schwermütigen Tönen, die vom rein Subjektiven in die Richtung der Frage der Sehnsucht nach Heimat und Zuhause führt, die für einen in zwei Sprachen und zwei Ländern schaffenden Autor alles andere als leicht zu beantworten ist – wenn er diesen Aspekt nicht vereinfachend und summarisch abtun möchte. Als ein erster Höhepunkt des Bandes erscheint im Kapitel „Unbedeckt“ das Gedicht „Beichte“, welches in nur neun Worten die Vielzahl der Gefühle und Regungen, das Maß der Unsicherheit und Sehnsucht auf eine Weise ausdrückt, dass man es – über die sich auf Bayer selbst beziehende persönliche Dimension hinaus – geradezu als Paradebeispiel zur Beantwortung der Frage heranziehen kann, warum „Dichtung“ auch für „Verdichtetes, Komprimiertes, auf den Punkt Gebrachtes“ steht:

Beichte

Mein Heimweh
ist die Brieftaube
der Schwäbischen Türkei.


Hier – aber nicht nur in diesem Text – wird ohne Larmoyanz eine Vielzahl von Gefühlen angesprochen, wobei dies ohne Selbstmitleid, ohne falsches Pathos geschieht, dafür aber mit einer ungekünstelten Ehrlichkeit, die es dem Leser erleichtert, sich den Gedichten zu widmen. Neben den bereits angesprochenen Fragen der Heimat, des Lebens in zwei Ländern und Sprachen erweitert sich der Horizont des Bandes auf gesamteuropäische Ebene. Dies geschieht nicht nur thematisch, sondern die Grundlage der Anspielungen, der textlichen und bildlichen Zitate ist der Fundus der abendländischen Kultur, allerdings geadelt durch die Perspektive des von Vorurteilen und Restriktion freien menschlichen Geistes, wie dies auch der Liebes- und Geschlechterkonzeption zu entnehmen ist, die aus den Versen mehrerer Gedichte hervorscheint.

So handlich und schmal der Band auch erscheinen mag: Hinter seiner überschaubaren physischen Präsenz wartet eine ungleich größere ideelle Welt darauf, von den Lesern entdeckt zu werden. Wir wünschen dem Band diese aufgeschlossenen Leser!
Gábor Kerekes

*Béla Bayer. Unbedeckt. Geograph: Homburg. 2012, 85 Seiten

NZ 42/2013

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