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Projekttag im Schiller-Gymnaisum - Ergebnis von Wissen, Kenntnissen und Zusammenarbeit zahlreicher Menschen
März 2016

Mit der Thematik der Vertreibung der Ungarndeutschen beschäftigten sich die Schüler des Werischwarer Schiller-Gymnasiums im Rahmen eines – ausschließlich auf Deutsch durchgeführten – Projekttages mit Hilfe ihrer Lehrer und eingeladener Gäste.


Als Einleitung für die ganztägigen Beschäftigungen am 24. März hielt der Historiker und Germanist Dr. Dezső Szabó, der für die internationalen Beziehungen verantwortliche Direktor des Balassi-Institutes, einen Vortrag, in dessen Verlauf er den anwesenden Schülern auseinandersetzte, wie sich im Allgemeinbewusstsein die Begriffe Vertreibung und Verschleppung häufig miteinander vermischen. Unter der Vertreibung versteht man die nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte zwangsweise Beraubung von Heim, Heimat und Staatsbürgerschaft jener ungarischen Staatsbürger, die sich bei der Volkszählung 1941 als Deutsche bzw. zur deutschen Muttersprache bekannt hatten, wobei im Verlaufe der Durchführung der Zwangsmaßnahmen vielfach über die Volkszählung hinaus willkürlich auch andere Gesichtspunkte eine Rolle spielten. Die Verschleppung steht für die massenweise Verschleppung der Zivilbevölkerung Ungarns zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion, was sich zeitlich parallel zu dem Vordringen der Roten Armee auf das ungarische Staatsgebiet bereits während des Krieges zu vollziehen begann. Aus Ungarn wurden etwa 200.000 Menschen deutscher Abstammung vertrieben. Bevor sie einwaggoniert wurden, nahm man ungarischerseits die Namen und die Besitztümer der Vertriebenen in eine Liste auf, und das Familienoberhaupt musste im wahrsten Sinne des Wortes die Hausschlüssel seines Heimes der ungarischen Behörde auf den Tisch legen.

Nach dem Plenarvortrag nahmen die Schüler jeweils drei Unterrichtsstunden hindurch an verschiedenen Beschäftigungen teil, in deren Rahmen die vor 70 Jahren erfolgte Vertreibung der Ungarndeutschen aus ihrer Heimat unter jeweils unterschiedlichen, unter historischen, politischen und literarisch-künstlerischen sowie musikalischen Gesichtspunkten beleuchtet wurde. Die Jüngeren (7. und 8. Klasse) analysierten nach einer einleitenden volkskundlichen Stunde offizielle Dokumente über die Vertreibung und überlegten, was sie wohl in ihr Bündel einpacken würden, wenn sie in der gleichen Situation wären wie die ehemals Vertriebenen. Sie illustrierten Claus Klotz’ Lesebuchgeschichte „Das Zweiglein“, schrieben Gedichte in elf Worten zu dem Thema Elfchen und hörten den Erinnerungen der Zeitzeugen zu. Den Beschäftigungen folgte für die Schüler der 7. Klassen das Lernen des „Heimatlieds“, während zur gleichen Zeit die Achtklässler die Eindrücke des Tages für die Schülerzeitung kurz zusammenfassten.
Die älteren Schüler konnten die Einzelheiten der Vertreibung aus historischer (Dezső Szabó, Péter Méhes) und literarischer Perspektive (Maria Wolfart, Gábor Kerekes) kennen lernen beziehungsweise mit Hilfe eines Dokumentarfilms („Schwäbische Passion“) sowie jener von Zeitzeugen (Fetter Lőrincné, Georg Kramm, Georg Krix, Erzsébet Marlok geborene Stocker und des Vaters von Teodóra Szeitz) einen unmittelbaren Eindruck darüber gewinnen, wie es war, die Verschleppung aus nächster Nähe zu erleben.

Den Beschäftigungen folgte eine Abschlussfeier, an der auch Bürgermeister István Gromon und Éva Mézinger, die Direktorin der Werischwarer Grundschule vom Marktplatz, teilnahmen. Die Direktorin des Gymnasiums Erika Szabó-Bogár fasste den Weg zur Verschleppung sowie deren wichtigste Ereignisse zusammen und betonte, dass das ungarische Parlament am 10. Dezember 2012 den 19. Januar zum Gedenktag der Vertreibung der Ungarndeutschen bestimmte. Die Vertreter der Klassen 7.c und 12.a berichteten über die Aufgaben und Ergebnisse des Tages. Denn solche gab es in beachtlicher Zahl: Die im Rahmen der einzelnen Beschäftigungen entstandenen Plakate, Gedichte und andere Schöpfungen wurden in der Aula des Gymnasiums ausgestellt. Die Schüler der 7. Klassen sangen mit Unterstützung von Júlia Mirk und Szilvia Mirk das „Heimatlied“ unter der Harmonikabgeleitung von Martin Milbich und Márk Szép. Das Programm beschloss die Klasse 10.c, die die Lesebuchgeschichte „Das Zweiglein“ dramatisiert vortrug. Die Leitung hatte Éva Priegl.

Das wichtigste Ziel des Projekttages war neben der Bereicherung des lexikalischen Wissens der Schüler auch, ihnen eine emotionale Erfahrung zu geben, in ihnen Empathie für die Opfer der damaligen Staatsmacht und deren grausames Schicksal entstehen zu lassen. Ohne harte Arbeit gibt es keine Ergebnisse und so fanden sich in diesem ambitionierten Projekttag auch das Wissen, die Kenntnisse und die Zusammenarbeit zahlreicher Menschen – von Lehrern, Schülern und eingeladenen Gästen. Die Hauptorganisatoren dieses groß angelegten, das ganze Gymnasium mobilisierenden und fachlich gründlich vorbereiteten Projekttages waren Piroska Koczor und Erika Ortner, geborene Radnai.

Márta Müller

NZ 16/2016



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