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„Suche nach der Schönheit“
Ákos Matzons Kunstalbum „Relief“
Juli 2012
Wenn der Leser dieses neue Matzon-Album in die Hände nimmt, ist die erste Reaktion beim Durchblättern gewiss Bewunderung und Staunen. Denn es handelt sich um eine schöne, fast schon kunstvolle Ausgabe. Man hat auch gleich das Gefühl, mit diesem Band verleitet und in die Gefilde der bildenden Kunst gelockt zu werden.

„Ich kann mir das Leben ohne Bücher nicht vorstellen. Meinem Gefühl nach befindet sich das Buch in einer miserablen Lage. Vielleicht müssen wir die Illusion, dass die Gutenberg-Galaxis überlebensfähig ist, vergessen. Doch ich hoffe noch. Vorteil des Buches ist, wie es einem durch das Lesen eigene Gedanken und Kreativität abverlangt, die ansonsten verloren gehen… Das möchte ich mit diesen Arbeiten signalisieren, doch ich halte die Lage für nicht ganz so dramatisch. Ich bin ein Optimist“ – auch dieses Zitat von Ákos Matzon ist im druckfrisch erschienenen wunderschönen Kunstbuch des bildenden Künstlers zu lesen. In diesem sind die aktuellsten Werke Matzons zur Schau gestellt (2002 bis 2012), u. a. auch sein monumentales Relief „Gedanken in der Bibliothek“.
Wissenswertes über den Künstler und über seine Werke, doch darüber hinaus auch über Fragen, Gattungen und Erscheinungsformen der bildenden Kunst bietet die ausführliche, gut komponierte Abhandlung „Reliefs von Ákos Matzon“ aus der Feder von Zoltán Rockenbauer. Der Leser wird in eine unabdingbare Multilingualität verführt, denn dank der gut gelungenen Übersetzungen können die zum Werkverständnis eine Einheit bildenden Gedanken des Kunsthistorikers Englisch, Deutsch und Ungarisch verfolgt werden.

Aus den Kapitel- bzw. Zäsurüberschriften entpuppt sich schon die Sachkenntnis Rockenbauers, denn diese Schlagwörter sind unumgänglich im Falle des Ouvres von Ákos Matzon: Abstrakt, Tradition, Musik, Relief, Farben, Lichtspuren, Linie, Architektur und eben Symbolismus und Konzeptualismus.

„Die Linie fesselte mein Interesse schon immer. In der Schule lehrt man über die Linie, dass sie de facto nicht existiert und nur ein theoretischer Begriff ist. Dagegen arbeitet man in der Kunst und in der Architektur ständig mit ihr. Ein nicht existentes, doch existierendes Phänomen. Ihre Länge und Stärke sind von Bedeutung, nicht nur für mich, der sie geschaffen hat. Aber auch in jenen, die sie betrachten, wecken sie bestimmte Impressionen. Sie kann Geschwindigkeit, Schwung und Richtung signalisieren, sie kann aber, ein System bildend, das ganze Bild wie ein Spinnennetz überziehen. Nach mehrjährigem Experimentieren kam ich auf die Idee, dass ich das Licht ’in die Linie’ zurückleiten kann, indem ich das Bild durchschneide und einen Spiegel dahinter lege.“ Ákos Matzon ist Architekt. Diese Tatsache widerspiegeln auch seine Bilder. Zu dieser Grunderfahrung bei seinen Kompositionen kommen Linien als Grundelement, Strukturen, geometrische Formen, Lichtspiele und schlichte Farben hinzu. Eine abgeklärte, klare Welt, die durch Matzons Werke geschaffen wird. Mit einer erfahrbaren Gelassenheit wagt sich Matzon in seinen Werken an Grenzgebiete: Musikalität, Skulpturähnlichkeit sind nur zwei Momente in seinen Experimenten.

„Mich inspirierte schon immer die monochrome, mit wenig Farben operierende Malerei, konkret die weiße Farbe, am stärksten. Vielleicht aus dem Grund, damit die Aktivität, die Dynamik und das Eigenleben von Licht und Schatten auf meinen Bildern nicht durch tobende Farben gestört (und der Betrachter dadurch beeinflußt) werden. Die Nuancen-, Faktur- und Lichtvielfalt der weißen Farbe separiert bestimmte Bildelemente voneinander oder verbindet sie eben, und ist dadurch ein Mittel im Dienste der Komposition. (…) Vielfarbigkeit entsteht nicht durch die Farben, sondern in den Schichten und durch die Differenziertheit der Gedanken“ – so Ákos Matzon.
Ákos Matzons Debüt als bildender Künstler geschah relativ spät: 1989, mit vierzig, hat er sich das erste Mal an einer Gemeinschaftsausstellung beteiligt, und zwar in Salgótarján. Doch schon aus dem Elternhaus kamen erste Anregungen, nicht zu weit von der bildenden Kunst zu verweilen: durch den Vater und bekannten Bildhauer Frigyes Matzon. Ákos Matzon wurde nach mehreren Stipendien und Auszeichnungen 2010 dann der Munkácsy-Preis verliehen. Zoltán Rockenbauer gestattet in der Studie auch für Ákos Matzons eigene Gedankenwelt viel Platz, viele der Matzon-Zitate, die kohärent in den Textfluss eingebaut sind, ergeben durch die federführende Hand des Kunsthistorikers die Summe der Ars poetica des Künstlers selbst.

„Die Flucht vor der Rationalität verursacht meiner Meinung nach den Wunsch der Menschen nach Transzendenz, die sie allerdings nicht finden können. Als Transzendenz bekommt man nur Kitsch angeboten – ein sehr schädlicher Trend. Durch die Medien macht man die Menschen glauben, dass sie Teil einer Traumwelt werden können, dagegen ist es eine Frage der menschlichen Entscheidungen, ob ich morgen meine Schecks bezahlen kann oder nicht. Diese falschen Versprechungen wagen es nicht, uns mit der Realität zu konfrontieren, sie führen uns irre. (…) Ich strebe in meiner Malerei immer eine rationale Vortragsweise an, um diesem Trend entgegenzuwirken. Mein Wunsch wäre, dass der Betrachter die Schönheit findet, die sein eigener Verstand als schön deklariert“ – vermittelt Matzon, der als Kunst „die Suche nach der Schönheit“ definiert.

Bei diesem prächtigen Buch braucht der Leser keine Angst zu haben, Gedankengänge und Kreativität würden verloren gehen. Es ist ein einzigartiges Lese- und Kunsterlebnis zugleich, das in unserer schnelllebigen Zeit unabstreitbar entspannende Momente und vollen Kunstgenuss bereiten kann.A. K.Rockenbauer Zoltán: Ákos Matzon. Relief. Budapest, 2012 S. 158. Das Buch kann beim Verband Ungarndeutscher Autoren und Künstler (vudak15@gmail.com) bestellt werden. Preis: 4.000.- Ft

NZ 30 / 2012

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