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Vernissage: 22. Juni, 18:30 Uhr
Vertretung des Landes Baden-Württemberg bei der Europäischen Union
Rue Belliard 60-62, 1000 Bruxelles, Belgien



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ZeiTräume - ein erlesenes VUdAK-Album



Neuerscheinung: Wittmann-Lebenswerkband "Schwarze Wolken"


Neuerscheinung: Schwarz-Szily-Wagner-Katalog "Seelenwelten"

Verband Ungarndeutscher Autoren und Künstler

Kaan und sein Gedächtnis
Erinnerungen an Kaan
29.07.2012
Meine Großmutter mütterlicherseits wurde 1936 in Kaan/Kán geboren. Ein ehemals deutsches Dorf, das am Ende des 18. Jahrhunderts durch die Ansiedlung eine bedeutende Bevölkerung mit deutschen Wurzeln bekam. Nachdem meine Oma mit 18 Jahren geheiratet hat, zog sie nach Hetfehel/Hetvehely, in eines der Nachbardörfer. Als Kind hat sie mir viel über das Leben in Kaan erzählt: über prächtige Obstbäume, über das schmackhafte Hutzl, das Dörrobst, das in jedem Haus hergestellt wurde, über die Pferdehaltung, die auch von herausragender Bedeutung war. Doch damals, in meiner Kindheit, war das Dorf schon von seinen Bewohnern verlassen worden. Es gab keine Verbindungsstraße, keinen Bus, keinen Zug. Die Elektrizität wurde spät eingeführt, in der sich verändernden Lebensweise der Menschen in den 70ern war das geliebte Heimatdorf eher eine Behinderung. Viele ehemalige Kaaner – so auch die Familie meiner Großmutter – gründeten an einem anderen Ort (meistens in Fünfkirchen oder Sendlorenz/Szentlőrinc) eine neue Existenz. Einige Bewohner haben auch die Ziegelsteine und Mauersteine zum Aufbau des neuen Hauses mitgenommen.
Als ich Grundschülerin war, lebte noch ein Mann im Dorf Kaan und die Grundschule von Hetfehel hatte dort ein Ferienhaus, wo ich auch einmal an einem Lager teilgenommen habe. Die schönen alten Bauernhäuser waren dem Verfall preisgegeben. Einige Besucher, so ab und zu auch ich mit meinem Opa, kamen auf den Friedhof, um die Gräber ihrer Ahnen zu besuchen. In den 90ern gab es noch einige Treffen der ehemaligen Kaaner, zu einem nahm mich der Bruder meiner Oma György Kond, der seine Kindheit auch in Kaan erlebte, mit, wo noch deutsche Lieder gesungen wurden und tolle Gespräche über das einstige Dorfleben geführt worden sind.

Was für Franzosen Cannes ist für Ungarn Kán

Um die Jahrtausendwende kamen Investoren nach Kaan. Renovierungsarbeiten begannen, und allmählich gewann Kaan, nun allerdings als Urlaubsort, an Attraktivität. In unserer schnellebigen Zeit ist dieses Geborgensein im Schoße der Natur immer begehrter, auch die Spuren der Vergangenheit strahlen heute in einem neuen Glanz. Das Filmfestival in Kaan am letzten Juni-Wochenende hat sich zu einem bekannten Treffen etabliert, doch Organisator Lukács Ács betont auch, dieses Festival solle diese Geborgenheit durch das Abgelegensein von den Verbindungsstraßen auch weiterhin bewahren.
Die ungarische Aussprache Kán und die des berühmten Filmfestivalschauplatzes Cannes in Frankreich ist unvoreingenommen eine gute Werbung. Der erste Festivalfilm – extra für Kán gemacht – greift mit nettem Humor dieses Moment der akustischen Ähnlichkeit auf: synchronisiert erklären etwa Bruce Willis und Steven Spielberg, wie renommiert das Festival in Kán sei.

VUdAK und Neue Zeitung hinterlassen Spuren

Zum 15. Mal fand in diesem Jahr das Filmfestival in Kaan statt. An diesem besonderen Jubiläum beteiligte sich auch der Verband Ungarndeutscher Autoren und Künstler und die Stiftung Neue Zeitung. Am 29. Juni fand die Vernissage der Ausstellung des Nadascher Bildhauers Antal Dechandt in der Sopi-Galerie in Kaan statt. Seit einigen Jahren wird parallel zum Filmfestival die Eröffnung einer Ausstellung organisiert, nun konnte sich VUdAK durch die Kunstwerke Antal Dechandts vorstellen. Kunstgewerblerin Zsuzsa Léb begrüßte das zahlreich erschienene Publikum und führte durch Fragen an den Künstler in die Ausstellung ein. Der naturverbundene Bildhauer zeigt durch seine Skulpturen die hügelige Landschaft seiner engeren Heimat. Seine Wandobjekte sind als Graphiken aus Holz zu deuten, die Einschnitte seiner Skulpturen herausgreifen. Die Symbiose der Landschaft um Kaan und der waldreichen Gegend mit Dechandts Skulpturen wird dem Titel der Ausstellung „Spuren“ vollkommen gerecht.
Nach der Vernissage folgte eine besondere Buchpräsentation. Der Dialektmärchenband „Reigöd vum Weidepam“ der aus Kaan stammenden Erzählerin Mathilde Geiszkopf, von der Stiftung Neue Zeitung 2011 herausgegeben, wurde vorgestellt. Die 24 im Band enthaltenen Märchen – teilweise Grimmsche Märchen, ein Andersen-Märchen usw. – sind fester Bestandteil des europäischen Erzählgutes. Die mündliche Tradierung durch das Festhalten verewigt hält auch ein Stück der geistigen Kultur der Dorfes Kaan fest. Es war ein tolles Erlebnis, mit guter Rückkopplung: Unter den Zuhörern waren ehemalige Kaaner, deren Nachkommen, deutsche und holländische Gäste. Das Buch ist einfach zu Hause angekommen.

Nachklang – ein Stück Heimat

Tolle Gespräche, anregende Stimmung herrschten am ganzen Abend. Dank gilt den Mitwirkenden, der Bewirtung durch Elisabeth Korb, die durch ihre Gebäcksorten ein Stück Heimat nach Kaan holte. Dank gilt des weiteren Lukács Ács für die Möglichkeit der Präsentation, Zsuzsa Léb für die Einführung in die Ausstellung. Am Abend konnte noch ein Konzert der Band „Die schlechtesten Musiker Dietldorfs“ mitgehört werden, deren Motto „Schneewalzer bis zum Einschneien – schön nicht, aber laut“ die Band auch entsprechend gerecht werden wollte. Die unvergeßlichen Stunden werden hoffentlich noch lange in der Erinnerung haften bleiben.

Angela Korb

Die Ausstellung von Antal Dechandt „Spuren“ in der Stallgalerie Sopi in Kán ist bis Ende des Sommers zu besichtigen.
Adresse: Galerie Sopi, Kán, Arany János u. 27 (Branau/Baranya)
Zufahrt: zwischen Bükkösd und Hetvehely über Gorica.

NZ 27/2012

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