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Vernissage: 22. Juni, 18:30 Uhr
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Verband Ungarndeutscher Autoren und Künstler

Ein Lebenswerk besonderer Art
Josef Bartls Kunst im Haus der Ungarndeutschen
25.03.2010
Ein Lebenswerk besonderer Art ist im Budapester Haus der Ungarndeutschen zu besichtigen. Josef Bartls aktuelle Ausstellung ist anläßlich der Verleihung des Lebenswerkpreises an den VUdAK-Künstler zum „Tag der Ungarischen Malerei" im Jahr 2009 durch die Branche realisiert worden. Durch „Artchivum" sind die Werke freundlicherweise zur Verfügung gestellt worden. Die ausgestellten Werke liefern Einblick in fast alle Schaffensperioden des bekannten Meisters und Gründungsmitglieds des Verbandes Ungarndeutscher Autoren und Künstler. Der aus Schorokschar stammende Josef Bartl wurde auch durch die Künstlerkolonie in Sankt-Andrä/Szentendre stark geprägt. Seine mit ständigen festen Motiven durchwobenen Gemälde greifen immer wieder auf die bekannt-geliebten volkskulturellen Gegenstände des Schorokscharer Meisters zurück. In einer sehr durchdachten modernen Formsprache arbeitet er in seinen Bildern Identität, Gedankenwelt auf.
Nach der Begrüßung der Vernissagegäste am 25. März im Budapester Haus der Ungarndeutschen durch den 1. Vorsitzenden des Verbandes Ungarndeutscher Autoren und Künstler würdigte Kunstschriftsteller László Fábián das Lebenswerk von Josef Bartl (seine Rede veröffentlichen wir auf dieser Seite). In der Ausstellung ist ein Schorokscharer Landschaftsbild aus seiner frühesten Schaffensperiode zu sehen. Kreuze, Herzen, Köpfe, Grabhölzer kombiniert Bartl in seiner eigenen geometrisch-rhythmischen Formwelt, die jedoch keiner äußeren Gesetzgebung gehorcht, nur der eigenen gedanklichen Dimension und der Bartlschen Tongebung. Beim Betrachten seiner Bilder spürt man die musikalisch-rhythmische Tiefe dieser Kunst. Eine klassisch-moderne Stimmung und seine eigene Sichtweise der Welt gibt Bartl seinen Konsumenten mit auf den Weg.
Spannende Gespräche über seine Kunst entfalteten sich nach der Vernissage bei einem Gläschen Wein. Das vielfältige, prägende Lebenswerk des Altmeisters Josef Bartl kann bis zum 10. Mai im Haus der Ungarndeutschen in Budapest besichtigt werden. Man bekommt eindeutig geistige Nahrung.

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Bilder von Josef Bartl. Ausstellung im Haus der Ungarndeutschen, Budapest VI., Lendvay u. 22. Geöffnet bis zum 10. Mai. Bitte um telefonische Absprache: 061 269 1082
Eine Finissage der Ausstellung ist am 5. Mai um 18 Uhr im Haus der Ungarndeutschen vorgesehen.

Zeichensprache
Vor den Bildern von Josef Bartl

Bei der Vernissage der Bartl-Ausstellung im Haus der Ungarndeutschen am 25. März führte Kunstschriftsteller László Fábián in das Lebenswerk des Malers ein. Wir veröffentlichen die Rede.

Die Malerei von Josef Bartl ist eine besondere künstlerische Leistung. Wenn ich sie von der Seite der Tradition aus betrachte, so erscheint sie mir überraschend neuartig, als ginge sie auf ganz anderen Wegen als die vorgezeichneten. Wenn ich sie aber aus der Sicht des Modernismus prüfe, entdecke ich augenblicklich ihre organische Beziehung zur Tradition. Die Figurativität, die Abbildung hatte er längst verlassen, obwohl sowohl sein formales Rüstzeug als auch sein Farbgefühl sozusagen in diese Richtung prädestinieren. Seine Neigung zur Abstraktion zieht ihn zu einer Art Geometrie, welche aber par excellence nie zur richtigen Geometrie wurde, wie die Konstruktivisten und die Neugeometriker es erwarten würden. Stattdessen gestaltete er eindeutig ein persönliches, nur für ihn charakteristisches Zeichensystem, in dem die Zeichen sich zwar in einer universellen, weiter scheinenden Semantik bewegen, ihr Gebrauch aber bei weitem nicht nur als Zeichen-Meldung in den Vordergrund tritt. Mindestens so bestimmend ist ihre formale Einfügbarkeit; sagen wir so: ihre Syntax. Daß ich an den Begriffen der Bedeutungslehre festhalte, entspringt nur der Beschreibungsabsicht, indes Bartl in jedem Fall mit einer ähnlichen Logik denkt.
Die Frage aber, wo bleibt der dritte Moment der Zeichen-Dreiheit, das heißt das Denotat, der Gegenstand, auf den das Zeichen selber hinweisen könnte, wirft sich berechtigt auf. Die Antwort könnte ich umgehen, indem ich erklärte, daß genau der kassettenartige Aufbau des überwiegenden Anteils der Bilder darauf hinweist, daß diese Zeichen vorläufig nicht existieren in strenger Verkettung, sie sind eher formale Vorschläge zu einer möglichen Eröffnung - zu ihrer Anwendung. So verstanden, könnte ich sogar auch sagen: sie sind verbunden mit den Möglichkeiten einzelner Denotate. Aber die Mehrheit der Zeichen hat sich schon auf irgendeine Art, in bestimmten Zusammenhängen trotzdem umgedreht - meinetwegen auch im künstlerischen Bewußtsein - als Mitteilung. Also kann ich nicht davon absehen, daß - sagen wir - Kreuz, Herz oder einfach nur Kreis, Quadrat, irgendwie gestreifte Formen sich auf den Bildern aufreihen. Diese Zeichen sind beredt, auch wenn wir sie immer in einer anderen Situation kennengelernt haben. Also in Wirklichkeit existieren kaum Zeichen, Markierungen ohne Gegenstand, denn sie kamen genau deswegen zustande, damit sie auf etwas hinweisen, wenn möglich übereinkommensmäßig. Der Maler nimmt sich auf diesem Weg diese Freiheit heraus, um mit seinen Bildern neue Übereinkommen vorzuschlagen - um neue Textumgebungen (Intertextualitäten) zu suggerieren.
Eine neue Frage könnte sein: Was kann der Maler mit diesen auf neuen Übereinkommen basierenden Zeichen, mit diesem malerisch innovativen Zeichensystem mitteilen? Sehr wahrscheinlich alles, was er nur will. Nämlich abgesehen davon, daß er keine darstellende Kunst kultiviert, denkerisch kann sie noch sein. Wir werden genauso über malerische Gedanken informiert wie mit irgendeiner anderen Methode auch, noch mehr, die Wahrheit ist dieselbe hinter den Bildern von Josef Bartl, wie hinter den naturalistischsten Naturalisten, doch er gibt vielleicht nicht den Anblick der Sinnestäuschungen zurück, sondern formt eventuell die Logik des Wesentlichen zum Erlebnis. Nun können wir uns immer mehr Gewißheit darüber verschaffen, daß zwischen dem sichtbaren Gesicht der Wahrheit und dem durch ihn gedeckten Wesen verwirrende Unterschiede sein könnten, welche uns verunsichern oder uns beinahe manisch zu ihrer Aufdeckung treiben. Mir ist klar, dies ist der Antrieb der modernen Wissenschaften, doch die Bewegungen des zwanzigsten Jahrhunderts wünschten beinahe, die geistigen Erregungen zu vereinheitlichen - gleich in welcher Formation des Geistes sie erscheinen. Inzwischen aber jammern wir über die Unmöglichkeit der großen gedanklichen Synthesen.
Es gefällt mir, daß Bartl wenigstens an die künstlerische Synthese glaubt, beinahe mit jener Hartnäckigkeit, mit welcher die Physiker an die vereinigte Theorie glauben. Ich bin der Meinung, dies tut er mit Recht, denn er kann mit seinen privaten Zeichen vorübergehend Ordnung schaffen - für eine Ausstellung auf jeden Fall - in der babylonischen Sprachverwirrung. Es hängt von uns ab, ob wir seine schweren Wörter, seine raffiniert ziselierten Sätze verstehen, aufnehmen können.

NZ 14/2010



Kunstschriftsteller László Fábián und Maler Josef Bartl




Angela Korb und Stefan Valentin sorgten für die musikalische Einstimmung auf die Werke von Bartl

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