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Kulturherbst in Geretsried, der „einfach anderen Stadt"
12.10.2008
Geretsried ist keine typisch bayrische Kleinstadt - das behaupten viele Geretsrieder. Wahrlich gibt es keine Kirche im Ortskern mit Zwiebelkuppel und Maibaum, keine prunkhaften Gebäude mit Lüftlmalerei, aber mehrere Industriegelände und viele moderne Häuser in der gepflegten Stadt mit 23.000 Einwohnern.
Die Jahreszahl 1083 steht erstmals für die „Neue Stadt im Isartal", als man an dem Reiseweg, der von München in den Süden führte, einzelne Gehöfte baute. Die Bewohner sind nach Königsdorf in die Kirche gegangen und Jahrhunderte lang nach Gelting zur Gemeindekanzlei.
1938 wurden in Geretsried zwei gigantische Rüstungsbetriebe errichtet: 550 Gebäude zur Herstellung von Munition und Sprengstoff. Nach Kriegsende besetzten amerikanische Soldaten die Werksgelände, die demontiert und zerstört wurden. Im April 1946 kam der erste Transport mit 550 Heimatvertriebenen aus dem Sudetenland nach Geretsried, weitere folgten. Als Unterkunft dienten die Wohnbaracken der früheren Werkarbeiter. Als die ehemaligen Rüstungsanlagen für die zivile Nutzung freigegeben wurden, bezogen diese einige Firmen, wodurch Arbeitsplätze entstanden sind. Geretsried wurde infolge des Zweiten Weltkrieges zu einem „Schmelztiegel" unterschiedlicher Kulturen.
Im Rahmen des Geretsrieder Kulturherbstes, welcher das zweite Mal vom Kultur Forum veranstaltet wurde, fand am 12. Oktober die Lesung mit dem Titel „Geschichten aus der Gegend, aus der ich komme" statt. Im Kulturherbst-Zelt am Karl-Lederer-Platz konnten sich verschiedene Bevölkerungsgruppen aus unterschiedlichen Ländern und Gegenden durch literarische Texte vorstellen. Das bunte literarische Angebot wurde durch musikalische Beiträge, durch Improvisationen auf dem Akkordeon von Markus Klepper aufgelockert. Für Frankreich las Agnés Kebekus, für die Ungarndeutschen Angela Korb, für die Griechen Evangelia Zissaki, für die Siebenbürger Anni Markel, für die Latinos Dirkahal del Rio, für das Egerland Inge Klier, für Bayern Sigi Berger. Durch das Nachmittagsprogramm führte Helmut Hahn. Zwei der Mitwirkenden lasen eigene Texte: Inge Klier sowie Angela Korb. Hahn bezeichnete Geretsried als ein „Konglomerat aus Volksstämmen" und als „weltoffene Gemeinde". Hauptorganisator Wolfram Weiß sprach über die Wichtigkeit dieser Lesung, da dadurch ein Einblick in die Kultur der anderen gewährt sei. Abwechslungsreich und vielseitig variierten die Texte. Der Einladung zum Literaturnachmittag waren viele interessierte Zuschauer gefolgt. Die Lesung war, wie von Helmut Hahn angekündigt, ein „literarischer Streifzug durch Europa".
Angela Korb folgte der Einladung von Hans Schmuck, Landesvorsitzender der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn in Bayern e.V., nach Geretsried, und am Abend vor der Lesung fand im Vereinshaus der Deutschen aus Ungarn auch eine Präsentation, verbunden mit einem Rundtischgespräch, statt. In Geretsried gibt es eine Trachtengruppe der Deutschen aus Ungarn und eine Ortsgruppe der Landsmannschaft. Im Ort steht ein Jakob-Bleyer-Denkmal und im Rathaus befindet sich das Heimatmuseum, welches Erinnerungsstücke aus dem Alltagsleben der Egerländer, der Donauschwaben, der Siebenbürger Sachsen, der Schlesier inbegriffen der typischen Trachten aufbewahrt. Zu den Partnerstädten von Geretsried gehört auch Pußtawam, wie Franz Wagner - er stammt aus diesem Ort im Komitat Weißenburg - erklärte, da einige Pußtawamer geflüchtet und sich in Gelting niedergelassen haben. Die späteren aus vertriebenen Pußtawamer holten dann die Geltinger Pußtawamer nach Gelting-Geretsried, damit die aus einem Ort kommenden auch in Deutschland zusammengeführt werden sollen.
Interessante Gespräche, eine offene und eine gastfreundliche Gemeinschaft der Geretsrieder Ungarndeutschen - ein gelungener Aufenthalt und Austausch.

A. K.

NZ 43/2008



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